Слушайте и читайте рассказы на немецком
Рассказы прочитаны носителями языка – волонтерами нашей школы. Источник – книга Irina Korschunow Leselöwen-Schulgeschichten. К каждой записи дается текст рассказа.
Was in diesem Bush erzählt wird
Jeden Morgen, wenn nicht gerade ein Ferientag, ein Samstag oder Sonntag ist, mußt du zur Schule gehen. Tust du das gern? Viele Kinder gehen gern zur Schule. Sie haben Freunde und nette Lehrer, und Lernen macht ihnen Spaß.
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Aber es gibt auch Kinder, die Angst vor der Schule haben. Weil sie alles falsch machen. Weil ihr Lehrer zu streng ist. Weil sie von den anderen ausgelacht werden. Zur Schule gehen – das kann schön sein oder schlimm, und davon handelt dieses Buch. Еlf Kinder erzählen, was sie erlebt haben, lustige Geschichten, ernste Geschichten und auch solche, die dich anregen wollen, Fragen zu stellen:
War das richtig?
Darf man so etwas tun?
Müßte man das nicht ganz anders machen?
Könnte man da nicht helfen?
Elf Geschichten von Günther, Anne, Niko, Susanne, Markus, Hannes, von Lena, Michael, Steffi, Uwe und Anja. Ob auch deine Geschichte dabei ist?
In der neuen Schule ist es schön
Ich heiße Günther. Seit zwei Wochen wohne ich in Hamburg. Früher lebte ich in Hannover. Dort bin ich von Anfang an zur Schule gegangen. Ich hatte viele Freunde in meiner Klasse, mit denen habe ich nachmittags Fußball gespielt. Unser Lehrer war auch nett. Er hatte eine Gitarre und hat jeden Tag mit uns gesungen.
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Und dann sind wir weggezogen. Ich fand das scheußlich und meine Mutter auch. Aber mein Vater hat in Hamburg eine neue Stellung bekommen. Deshalb konnten wir nicht in Hannover bleiben.
Vor ein paar Tagen bin ich zum ersten Mal in der Hamburger Schule gewesen. Mir war ganz schlecht vor Angst. Ich wußte ja, wie das ist, wenn ein Neuer kommt. Alle in der Klasse kennen sich, nur der Neue kennt keinen. Jeder starrt ihm ins Gesicht. Irgendwer fängt dann an zu kichern, und die andern kichern mit. Dem Gerd Altmann, der neu zu uns nach Hannover gekommen war, ging es auch so. Ich weiß noch, wie er mit knallrotem Kopf dastand. Und daß sich später niemand um ihn kümmerte.
An all das mußte ich denken, als mich meine Mutter in die neue Schule brachte. Am liebsten wäre ich weggerannt. Aber meine Mutter zog mich ins Rektorzimmer.
,,So, so, du bist der Günther”, sagte der Rektor. “Hoffentlich gefällt es dir bei uns. Dort drüben sitzt Herr Hamm, dein Klassenlehrer. Der kann dich gleich mitnehmen.”
Dann stand ich vor der neuen Klasse. ,,Das ist Günther Lutting”, sagte Herr Hamm.
,,Lutting Pudding”, kicherte ein Mädchen.
,,Er kommt aus Hannover”, sagte Herr Hamm.
,,Ich hab’ auch mal in Hannover gewohnt!” rief ein Junge. Er hatte Sommersprossen, genau wie unser Torwart in Hannover.
,,Also, setz dich irgendwo hin, Günther”, sagte Herr Hamm.
Ich wußte nicht, wohin. Ich kam mir richtig belämmert vor. Da rief der Junge mit den Sommersprossen: ,,Hier ist noch Platz! Hier bei uns!”
,,Na also!” sagte Herr Hamm. ,,Geh zu Thomas!”
Ich schob meinen Ranzen unter den Tisch und setzte mich auf den freien Stuhl. Thomas! Einer von meinen Freunden in Hannover hieß auch Thomas. Plötzlich fand ich es gar nicht mehr so schlimm in der neuen Klasse. Später hat mich Thomas mit auf den Schulhof genommen und mir alles gezeigt. Den Thomas, den mag ich. Er sagt ,,Pudding“ zu mir. Die anderen auch. Das ist ein lustiger Spitzname. Ich glaube, in Hamburg wird es ganz schön.
Ich bin so gemein gewesen
Ich heiße Anne. Ich sitze in der Schule neben Carola. Früher war sie meine Freundin. Wir haben uns fast jeden Nachmittag getroffen, bei ihr zu Hause oder bei mir.
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Am liebsten haben wir Theater gespielt. Wir hatten einen großen Karton mit Kram zum Verkleiden, und manchmal waren unsere Mütter zum Zugucken da. Aber das ist jetzt alles vorbei, bloß wegen der blöden Brille. Und weil ich so gemein war.
Die Brille hat Carola vor zwei Wochen bekommen. Sie wollte sie nicht aufsetzen. Sie hat geweint, und ich habe gesagt, daß sie sich nicht anstellen soll.
“So viele Menschen tragen eine Brille”, habe ich gesagt.
,,Sogar der Rudi Carrell! Das ist doch wirklich nichts Besonderes.”
Aber als Carola mit der Brille in die Schule kam, hat Udo Hoffmann ,,Brillenschlange” hinter ihr hergerufen. Dieser eklige Kerl! Carola hat gleich wieder geheult, und seitdem war sie in der Schule ganz anders als früher. Sie redete kaum noch. Sie hat sich auch nicht mehr gemeldet. Sie saẞ da und guckte auf den Tisch, sonst nichts. Nur nachmittags beim Theaterspielen war sie manchmal so lustig wie früher. Bis zum vorigen Dienstag.
Am Dienstag wollten wir bei mir zu Hause ,,Die Prinzessin und der Schweinehirt” spielen. Ich hatte ein altes Nachthemd von meiner Mutter bekommen, oben und an den Ärmeln mit Spitzen.
“Das ziehe ich als Prinzessin an”, sagte ich.
“Nein, ich” sagte Carola. “Du warst schon so oft Prinzessin.”
“Nicht öfter als du”, sagte ich, und plötzlich wurde Carola wütend. Das war noch nie passiert.
“Du willst immer recht haben”, schrie sie mich an.
Da fing ich auch an zu schreien.
“Das Nachthemd gehört mir!” schrie ich.
“Dann spiel doch allein mit deinem blöden Nachthemd! Du denkst wohl, mit mir kannst du alles machen!” schrie Carola, und weil ich das so ungerecht fand und weil ich Carola eins auswischen wollte, schrie ich: “Hau doch ab, du Brillenschlange.”
Ich weiß noch, was für einen Schreck ich bekam, als mir das Wort herausrutschte. Am liebsten hätte ich es gleich zurückgeholt. Aber gesagt ist gesagt. Carola starrte mich an. Sie war ganz still. Sie nahm ihre Sachen und ging. Und nun redet sie nicht mehr mit mir. Sie guckt an mir vorbei, als ob ich nicht da bin.
Ich möchte ihr gern etwas sagen. “Es tut mir leid”, möchte ich sagen. “Ich war so gemein. Ich will es nie mehr tun. Vertrag dich wieder mit mir.” Doch wenn ich mit Carola reden will, dreht sie sich um und geht.
Meine Lehrerin mag mich nicht
Ich heiße Markus. Ich gehe in die zweite Klasse. Früher hatten wir Frau Mai als Lehrerin. Frau Mai konnte ich alles erzählen: von dem Aquarium bei uns zu Hause und von meinem Hamster und von meiner Oma, die so krank war. Aber dann ist Frau Mai weggegangen, und wir haben Frau Beck bekommen. Seitdem gefällt es mir in der Schule nicht mehr. Читать далее >>>
Gleich am ersten Morgen, als Frau Beck auf Frau Mais Stuhl saß, habe ich mich vor ihr gefürchtet.
An dem Morgen bin ich nämlich zu spät gekommen. In der Ungerstraße waren zwei Autos zusammengeknallt. Ich habe eine Weile zugeguckt, und als ich in die Klasse kam, saß Frau Beck am Lehrertisch.
Ich wollte von dem Unfall erzählen. Aber sie sah mich so streng an, daß ich vor Schreck nichts sagen konnte. Und ausgerechnet an dem Tag hatte ich noch mein Rechenbuch vergessen!
„Das gefällt mir! Zu spät kommen und bloß die Hälfte mitbringen!” sagte Frau Beck. Da fing ich auch beim Lesen an zu stottern. Und am nächsten Tag konnte ich mein Gedicht nicht richtig.
„Na, Markus, das ist aber kein schöner Anfang mit uns beiden”, sagte Frau Beck. „Hoffentlich wird es besser.”
Aber es wurde immer schlechter. Frau Beck brauchte mich nur anzusehen, gleich sagte ich etwas Falsches. Dann meckerte sie wieder. Und meine Hausaufgaben strich sie auch dauernd durch.
„Du mußt dir mehr Mühe geben, Markus”, sagte sie. Dabei gab ich mir ja Mühe. Es nützte nur nichts.
„Die mag mich nicht”, dachte ich.
„Die kann mich nicht leiden.”
Doch gestern ist etwas passiert, das muß ich erzählen. Gestern durfte jeder malen, wozu er Lust hatte. „Irgend etwas, das euch besonders gut gefällt”, sagte Frau Beck. Da habe ich unser Aquarium gemalt. Ich malte die roten und blauen und silbernen Fische, das grüne Wasser und die Pflanzen. Ich dachte nur noch an mein Bild und nicht an Frau Beck.
Als ich fertig war, kam Frau Beck an meinen Tisch.
„Jetzt meckert sie wieder”, dachte ich.
Aber Frau Beck meckerte überhaupt nicht. Sie sagte: „Das ist schön geworden, Markus!”
Sie hielt mein Bild hoch, damit es alle sehen konnten. Und dann fragte sie: „Schenkst du es mir? Ich möchte es zu Hause an die Wand hängen.”
Wirklich, das hat sie gesagt! Und ich glaubte doch immer, sie könne mich nicht leiden.
Ob ich die ganze Zeit etwas Falsches gedacht habe? Vielleicht stimmt es gar nicht, daß Frau Beck mich nicht mag.
Ein Dackel geht zur Schule
Ich heiße Niko. Ich habe zum Geburtstag einen jungen Dackel bekommen. Tecki heißt er. Zuerst hat er ganz unglücklich in der Ecke gehockt und geweint. Aber inzwischen kennt er uns. Jetzt weint er nur noch, wenn wir nicht da sind.
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Einmal war ich mit Tecki vormittags allein in der Wohnung. Wir haben mit seinem Ball gespielt, so was macht ihm Spaß. Doch um halb zehn mußte ich zur Schule gehen. Als Tecki das merkte, fing er laut an zu weinen. Ich blieb noch eine Weile bei ihm. Ich streichelte ihn und sagte: “Ich komm’ doch bald wieder, Tecki”, und er wedelte mit dem Schwanz.
Inzwischen war es schon viel zu spät geworden, und ich mußte weg. Da legte Tecki erst richtig los! Noch auf der Treppe konnte ich es hören. Und weil ich nicht wollte, daß er den ganzen Vormittag weinte, nahm ich ihn mit zur Schule.
Die machten vielleicht ein Gesicht, als ich mit Tecki ankam! Fräulein Mahr, unsere Lehrerin, war schon in der Klasse. “Huch!” quietschte sie laut. Denn Tecki sauste gleich auf sie zu und beschnüffelte ihre Beine. Und die Kinder rannten alle nach vorn und wollten ihn streicheln.
“Ruhe!” rief Fräulein Mahr. “Geht auf eure Plätze! Sofort!”
Dann fragte sie mich: “Was soll denn der Hund hier im Klassenzimmer?” Ich erzählte ihr von Teckis Weinerei, und sie meinte: “Bring ihn zum Hausmeister. Der kann ihn irgendwo anbinden.”
“Dann weint er doch wieder!” sagte ich, und die ganze Klasse schrie: “Tecki soll hierbleiben!”
Fräulein Mahr dachte nach. Schließlich sagte sie: “Also gut, ausnahmsweise. Aber nur heute! Stellt euch vor, wenn jeder sein Tier mit in die Schule brächte!”
“Ich mein Meerschweinchen!” rief Christa Kühne.
“Und ich meine beiden Katzen!” rief Hans Märker. “Dann wären wir ein richtiges Tierheim.”
Da meldete sich Helga Noack und sagte: “Wir könnten ja mal von unseren Tieren erzählen. Oder was wir mit Tieren erlebt haben.”
Das fanden wir alle toll, auch Fräulein Mahr.
“Schön, dann machen wir eine Tierstunde”, sagte sie, und wir fingen gleich an. Jeder erzählte etwas. Ganz komische Geschichten waren dabei. Nur Uwe Martens fiel nichts mit Tieren ein. “Wir haben zu Hause Zwillinge”, sagte er. “Die sind ein Jahr alt.”
“Das reicht!” sagte Fräulein Mahr. “Dann braucht ihr keine Tiere.”
Tecki saß die ganze Zeit auf meinem Schoß und rührte sich nicht.
“Dein Hund ist wirklich brav”, sagte Fräulein Mahr nach der Stunde. ,,Aber jetzt geh lieber mit ihm nach Hause. Sonst lernt er zuviel bei uns.”
Da habe ich wegen Tecki sogar zwei Stunden schulfrei bekommen.
Vielleicht wird alles gut
Ich heiße Lena. Ich bin ziemlich schlecht in der Schule. Ich kann nicht gut lesen, und beim letzten Diktat hatte ich achtzehn Fehler.
„Achtzehn Fehler, Lena!” hat Frau Kammer gesagt. „Ich glaube du mußt dich etwas mehr anstrengen, sonst wirst du womöglich nicht versetzt.” Читать далее >>>
Ich habe einen großen Schreck bekommen, als ich das hörte. Ich will nicht sitzenbleiben. Ich will in keine andere Klasse gehen. Ich mag Frau Kammer gern. Und ich möchte weiter neben Regine Öhme sitzen, so wie jetzt.
„Bitte doch deine Mutter, daß sie jeden Tag mit dir lernt”, hat Frau Kammer noch gesagt. „Dann wird es schon werden.”
Aber meine Mutter kann nicht mit mir lernen. Sie geht nachmittags arbeiten.
Ich bin die Älteste, ich muß aufräumen und einkaufen. Um vier kommt mein Vater, der schimpft soviel. Er stellt auch gleich den Fernseher an, und meine Geschwister toben herum, und dabei soll ich Schularbeiten machen. Mein Bett steht im Wohnzimmer, und meistens kann ich nicht einschlafen, weil der Fernseher läuft.
Das alles hätte ich gern Frau Kammer erzählt. Ich traute mich nur nicht. „Was bei uns los ist, braucht niemand zu wissen”, sagt meine Mutter immer.
Als die Schule aus war, wollte ich am liebsten mit keinem reden. Doch Regine kam hinter mir hergerannt.
Regine ist noch nicht lange in unserer Klasse. Sie hat sich am ersten Tag ganz von allein neben mich gesetzt, und mittags gehen wir oft zusammen bis zur großen Kreuzung.
„Sei doch nicht so traurig”, sagte sie.
„Ich habe auch elf Fehler. Aber meine Mutter diktiert mir jetzt jeden Tag eine Seite, das hilft bestimmt. Das mußt du auch machen.”
Plötzlich bin ich wütend geworden.
Die hatte ja keine Ahnung! „Halt doch die Klappe!” habe ich sie angebrüllt, und dann mußte ich heulen.
Regine ist neben mir stehengeblieben. „Was ist denn los? ” hat sie immer wieder gefragt. Da habe ich ihr alles erzählt. Sie hat zugehört und ein ganz komisches Gesicht gemacht und nichts mehr gesagt. Kein Wort. Nicht mal „auf Wiedersehen”.
Zu Hause stand ein Haufen Geschirr herum, das mußte ich abwaschen. Danach bin ich auf die Straße gegangen. Schularbeiten habe ich nicht gemacht. Ich habe mich auf die Treppenstufen gesetzt und gedacht:„Es hat ja doch keinen Zweck.”
Auf einmal stand Regine neben mir.
„Tag, Lena”, sagte sie. „Ich will dich abholen.”
„Warum denn? ” fragte ich und dachte: „Das meint sie ja doch nicht ernst.”
,,Du sollst mit zu uns kommen”, sagte sie. „Dann können wir zusammen mit meiner Mutter Diktat üben.”
„Warum denn?” fragte ich wieder, und da sagte Regine: „Weil du versetzt werden sollst. Ich möchte gern mit dir in einer Klasse bleiben.”
Wirklich, das hat sie gesagt. Genauso! Zuerst wollte ich es immer noch nicht glauben. Aber dann bin ich mit zu ihr gegangen, und vielleicht wird jetzt alles gut.
Ich möchte auch ins Schwimmbad gehen
Ich heiße Susanne und wohne in einer großen Stadt. Vor einem Jahr sind Sabine und ich zur Schule gekommen. Sabine ist meine Freundin. Wir wohnen im selben Haus. Auch in der Schule haben wir nebeneinander gesessen. Jetzt gehe ich nicht mehr zur Schule. Ich liege im Krankenhaus. Weil mich im April ein Auto angefahren hat.
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Eigentlich kann ich gar nicht verstehen, warum das passiert ist. Wir waren so vorsichtig und haben immer aufgepaẞt.
«Bei Rot bleib stehen, bei Grün kannst du gehen.» Diesen Vers hat mir meine Mutter schon ganz früh beigebracht. Sabine und ich haben ihn jedesmal laut hergesagt, wenn wir an eine Ampel gekommen sind.
Wir sind auch immer früh genug von zu Hause weggegangen, weil wir Zeit für die Schaufenster haben wollten. Wir hatten uns ein Spiel ausgedacht, das ging so: Jedes Schaufenster gehörte einem von uns, und die Sachen, die darin lagen, haben wir uns gegenseitig verkauft. Sabine gehörte das Schaufenster vom Haushaltsgeschäft und das vom Schuhgeschäft und vom Schreibwarenladen. Ich hatte die Buchhandlung und die Drogerie und das Modehaus. Manchmal vergaßen wir beim Spielen, daß wir auf dem Weg zur Schule waren. Dann mußten wir rennen. Aber bei Rot sind wir nie über die Straße gelaufen.
An dem Morgen, als es passiert ist, hatten wir es sehr eilig. Zum Glück stand die Ampel an der ersten Kreuzung auf Grün und an der nächsten auch. Danach mußten wir nur noch die Straße mit dem Zebrastreifen überqueren.
«Fünf vor acht!» sagte Sabine. «Ich glaube, wir schaffen es gerade noch. Los, komm!»
Wir rannten im Dauerlauf. Ich rempelte eine Frau an. Sie ließ ihre Tasche fallen und fing an zu schimpfen. Aber stehenbleiben konnte ich nicht.
Vor dem Zebrastreifen war kein Auto zu sehen. Drüben lag die Schule. Ich dachte an Frau Herrmann, unsere Lehrerin. Die wird immer gleich böse, wenn einer mal zu spät kommt. Ich wollte es noch schaffen und rannte auf den Zebrastreifen.
Mehr weiß ich eigentlich nicht. Ich habe nur etwas großes Schwarzes gesehen und einen Stoß gespürt. Dann bin ich aufgewacht und lag im Krankenhaus. Meine Beine waren in Gips. Meine Hüften auch. Und mein Kopf war verbunden. Und alles tat so weh.
Jetzt bin ich schon drei Monate hier. Sabine besucht mich oft. Sie erzählt von der Schule und davon, was sie nach der Schule macht. Es ist Sommer, und sie geht viel ins Schwimmbad. Ich bin immer traurig, wenn Sabine da war. Ich möchte auch so gern zum Schwimmen gehen.
Ich möchte kein Aufpasser sein
Ich heiße Hannes. Ich bin der Kleinste in der Klasse. Alle anderen sind größer und stärker. Am stärksten ist Götz Landau. Auf den habe ich eine Wut. Er denkt, daß ich vor ihm kuschen muß. Dauernd stellt er mir ein Bein und schubst mich. Sogar meinen neuen Radiergummi hat er mir weggenommen.
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«Sei bloß still, Kleiner», sagt er, wenn ich mich wehren will. «Halt die Klappe, sonst kriegst du eins drauf.»
Wenn ich dem doch auch eins draufgeben könnte! Das wünsche ich mir schon lange. Und deshalb habe ich mich auch gemeldet, als Herr Wolf einen Aufpasser suchte.
Herr Wolf kam morgens in die Klasse und sagte: «Ich muß euch eine Weile allein lassen. Und damit kein Unfug passiert, soll einer von euch Aufpasser sein. Wer will das machen?»
Uwe Bank und Anke Haber hoben gleich die Hände. Und ich auch. «Aufpasser!» dachte ich. «Das ist toll! Da könnte ich es den Angebern mal zeigen. Schade, mich nimmt er bestimmt nicht.»
Aber Herr Wolf nahm mich doch. «Hannes, du!» sagte er.
Ich ging nach vorn und stellte mich neben ihn.
«Also, Hannes ist mein Vertreter», sagte Herr Wolf. «Ihr habt ihm zu gehorchen. Verstanden?»
Die anderen nickten. Herr Wolf ist ziemlich streng, dem widerspricht keiner. Und jetzt hatte er gesagt, daß sie mir gehorchen müßten. Der Götz Landau, der sollte sich wundern!
Aber da sagte Herr Wolf noch etwas.
«Wenn einer schwatzt, Hannes», sagte er, «dann schreibst du ihn an die Tafel. Verstanden?»
An die Tafel schreiben? Ich dachte, ich höre nicht richtig. Das war doch petzen. Ich hatte noch nie jemanden verpetzt, nicht mal den gemeinen Götz Landau. Petzen, das fand ich scheußlich.
«Also, benehmt euch anständig», sagte Herr Wolf. Er drehte sich um und ging zur Tür. Und auf einmal bin ich hinter ihm hergelaufen. «Herr Wolf», habe ich gesagt. «Ich will lieber kein Aufpasser sein.»
Herr Wolf hat mich ganz erstaunt angesehen. «Du weißt wohl nicht, was du willst, wie?» hat er gebrummt. Und dann ist Anke Haber Aufpasser geworden.
Ein bißchen habe ich mich doch geärgert. Den Götz Landau hätte ich gern an die Tafel geschrieben. Damit hätte ich mich mal rächen können. Jetzt muẞ ich warten, bis ich ein Stück gewachsen bin.
Mein Vater sagt, das kommt mit einem Ruck. Bei ihm war es auch so. Hoffentlich wachse ich bald.
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